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Was auf dem Areal nördlich der Kalkumer Schloßallee entstehen soll

28. Februar, 2024

Artikel aus der Rheinischen Post
Von Christopher Trinks

Düsseldorf · Bei einer Begehung erzählten die Architekten, die hinter dem Siegerentwurf stehen, welche Ideen sie für die Entwicklung des 34,5 Hektar großen Areals verfolgen. Bis der Bebauungsplan steht, sollen noch weitere Beteiligungsverfahren folgen.

Bis auf den Feldern nördlich des Theodor-Fliedner-Gymnasiums und der Kalkumer Schloßallee ein neues Mehrgenerationen-Wohngebiet entsteht, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Zuvor muss das Konzept erst noch im Detail ausgearbeitet werden, ehe der Stadtrat den Bebauungsplan überhaupt beschließen wird. Grundlage dafür bildet jedoch der Siegerentwurf, den ein Preisgericht aus Vertretern der Stadtverwaltung, externen Experten und Bürgervertretern Ende Januar in einem öffentlichen Planungswettbewerb für das Areal ausgewählt hatten.

Geplant ist demnach eine clusterartige Bebauung des 34,5 Hektar großen Areals, bei dem möglichst viel Freifläche im Düsseldorfer Norden erhalten bleiben soll. Entstanden ist der Entwurf in einem Gemeinschaftsprojekt von Jörg Leeser (BeL Sozietät für Architektur), Carsten Venus (Architekten Venus), Marcel Wiegard (Greenbox Landschaftsarchitekten) und ihren Teams. Bei einem gemeinsamen Besuch des Areals erklärten die Architekten ihre Ideen, die sie bei dem Entwurf verfolgt haben – und gingen dabei auch auf die Kritikpunkte ein, die während des Wettbewerbs von den Anwohnern geäußert worden waren.

Fläche Rund acht Prozent der Fläche soll neu bebaut werden. Das sei laut der Stadt der geringste Versiegelungsanteil aller zur Wahl stehenden Entwürfe und ausschlaggebendes Argument für das Preisgericht gewesen. Allerdings hätten andere Ideen dafür Potenzial für noch mehr Wohnraum geboten. Verteilen wird sich die Wohnbebauung auf drei sogenannte „Anger“, womit clusterartige Quartiershöfe gemeint sind. „Unser Ansatz war es, das Wohnen in die Landschaft einzufügen und existierende Freiräume zu beleben“, sagt Jörg Leeser. Auch aus Nachhaltigkeits- und Klimaanpassungsaspekten, die eine immer größere Rolle bei der Stadtplanung spielen würden. Zwischen den Cluster bleibe daher Freiraum, der zur Verdunstungskühle beitragen und als Versickerungsfläche für Regenwasser dienen soll.

Im Vorfeld des Wettbewerbs wurden Bodenanalysen durchgeführt, die auch eine landwirtschaftliche Nutzung berücksichtigt haben. „Wo sich diesbezüglich der qualitativ schlechteste Boden befindet, sollen die Häuser entstehen“, sagt Marcel Wiegard. Der Grund, warum die Baufelder zum Teil auch in den Ostteil des Areals hineinragen, der ursprünglich nur zu Sport- und Erholungszwecken genutzt werden sollte. Zur Biodiversität beitragen sollen außerdem zentrale Quartiershöfe und -gärten, die von den Bewohnern gemeinschaftlich bepflanzt und bewirtschaftet werden können.

Bebauung Rund 550 kleine und große Wohnungen unterschiedlicher Preiskategorien und Nutzungsansprüche sollen in den drei Angern entstehen, die sich thematisch in der Grüngestaltung mit Äpfel-, Birnen und Kirschbäumen unterscheiden. Kritik gab es an der Höhe der Bebauung, die als Maximum fünfgeschossige Gebäude ausweist. Mit dem Mix an unterschiedlicher Geschossigkeit orientiere man sich allerdings am bestehenden Ortskern von Kaiserswerth. „Und ein zweigeschossiges Wohnhaus zu bauen, ist aus heutiger Sicht Ressourcenverschwendung. Vor allem, wenn es bezahlbar bleiben soll“, sagt Leeser.

Die neue Gesamtschule soll zwischen Fliedner-Gymnasium und dem Lindenhof entstehen und somit einen Schulcampus bilden. Der Ponyhof kann, wie auch die Tennisplätze, entgegen anderer Entwürfe damit bleiben. Das sei einer der Kernpunkte der Anwohner bei der Zwischenpräsentation gewesen. „Da wurde uns bewusst, wie identitätsstiftend diese Bereiche für die Anwohner sind, was wir respektieren wollten“, sagt Carsten Venus.

Verkehr Noch auszuarbeiten ist das genaue Verkehrskonzept, für das jedoch die Stadtplaner zuständig seien. „Der Pkw- und Lieferverkehr wird über eine Quartiersstraße im Osten erfolgen; der Pfaffenmühlenweg ist nur für einen absolut reduzierten Anliegerverkehr gedacht“, sagt Leeser. Quartiersgaragen und drei Mobility-Hubs sollen die Anger möglichst verkehrsfrei halten. Kleine Fuß- und Radwege sowie Trampelpfade sollen diese miteinander vernetzen. Für viele Anwohner noch fraglich ist jedoch, wie die anfällige und ohnehin ziemlich ausgelastete Stadtbahnlinie U79 den zusätzlichen Personenverkehr mit Schülern und Bewohnern stemmen soll.

Weiteres Verfahren Lob gab es von den Architekten für das ungewöhnliche Verfahren, bei dem sie ihre Entwürfe schon vor dem Preisgericht mehrmals der Öffentlichkeit zeigen mussten, dabei aber viele gute Anregungen der Anwohner erhalten hätten. „Dass die Öffentlichkeit vor dem Preisgericht den Entwurf zu sehen bekommt, habe ich so in 25 Jahren meiner Tätigkeit auch noch nicht erlebt“, sagt Leeser. Damit ist der Dialog aber noch nicht vorbei, weitere Öffentlichkeitsbeteiligungen werden folgen. Vorrangig ging es bei dem Wettbewerb darum, das städtebauliche Konzept festzulegen. „Dieser Entwurf ist der Masterplan, auf dessen Basis die Entwicklung jetzt richtig losgeht“, ergänzt Venus.

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1. Preis im Wettbewerb Düsseldorf „Nördlich Kalkumer Schloßallee“

2. Februar, 2024

So möchten wir wohnen – So sollten wir neue Quartiere bauen!

Wir freuen uns über den 1. Preis im Wettbewerb „Nördlich Kalkumer Schloßallee“ im Stadtteil Kaiserswerth Düsseldorf

Auszug aus dem Preisgericht: „Das Konzept hat sich insbesondere mit dem Thema Landschaftsraum und Siedlungsentwicklung auseinandergesetzt und eine ganz eigene Ausprägung für die Generationenquartiere gefunden, die sich vom klassischen Städtebau unterscheiden. Den Freiraum zum zentralen Thema zu machen und die Bebauung clusterartig einzubinden, erhält das Grün bis an die heutigen Siedlungsränder und platziert die Bebauung um Quartiershöfe, die Nachbarschaften und Identifikation für das jeweilige Cluster schaffen. Alle Gebäude haben, anders als in gängigen städtischen Quartieren einen direkten Bezug zur Landschaft, so dass ein gleichberechtigtes Wohnen für alle entstehen kann. Diese visionäre Idee denkt Stadt und Landschaft in dem ländlichen Umfeld adäquat zusammen. Trotz der geringsten Versiegelung im Vergleich aller Entwürfe können bis zu 550 Wohnungen, kleine und große, entstehen.“

Im Team mit GREENBOX LANDSCHAFTSARCHITEKTEN und BeL Sozietät für Architektur

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Frohe Weihnachten!

22. Dezember, 2023

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien eine schöne Weihnachtszeit, erholsame Feiertage

und ein glückliches neues Jahr 2024!

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Zukunft der Städte: Die Umnutzung von Büroflächen in Wohnflächen

15. Dezember, 2023

Erfolgreiche Redevelopments für bezahlbaren Wohnraum in unseren Metropolen?

Die Art und Weise, wie wir unsere Städte gestalten und nutzen,ist ein spannender Wandel und verändert sich rasant: die Umnutzung von Büroflächen in Wohnflächen ist ein aufregender Trend, der nicht nur die Art, wie wir arbeiten, sondern auch wie wir leben, grundlegend transformiert. Diese Transformation schafft neue Lebensräume und fördert die Vielfalt in unseren urbanen Zentren. 

Wir sehen immer mehr Beispiele für diese spannende Transformation weltweit. Unternehmen erkennen, dass flexible Arbeitsmodelle und die Digitalisierung es ermöglichen, Büroflächen zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensqualität in unseren urbanen Zentren zu steigern. 

Durch diese Entwicklung werden nicht nur lebendigere und nachhaltigere Städte geschaffen, sondern es eröffnen sich auch neue Chancen für Investoren, Entwickler und die Gemeinschaft. Die Schaffung von Wohnraum in der Nähe von Arbeitsplätzen fördert die Arbeit-Leben-Balance und trägt zur Reduzierung des Pendelverkehrs bei. 

Vortrag und Diskussion mit
David Möcker, PwC Head of Real Estate Consulting & Transformation
Stefan Müller-Schleipen, Initiator der Inititative Die Stadtretter
Carsten Venus, Geschäftsführer Architekten Venus GmbH

Vortrag am 19.12.2023 8:00 UhrBUILTWORLD – Work – Zukunft der Städte: Die Umnutzung von Büroflächen in Wohnflächen

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LEARNINGS 2023 – Die Bauwende gelingt nur als Teamleistung

5. Dezember, 2023

Welche Herausforderungen stellen sich Büros, die nachhaltig bauen möchten? Ein Gespräch mit Carsten Venus und Martin Schmitt über Hürden, Möglichkeitsräume und wie man ins konkrete Handeln kommt. Ein Interview von Anja Koller, competitionline – das gesamt Interview kann hier nachgelesen werden: „Die singuläre Aufgabe, nur ein hübsches Haus zu bauen, ist heutzutage mehr und mehr absurd.“

Architekt*innen sind Schlüsselfiguren beim Erreichen der Klimaziele. Ihre Arbeit wirkt sich unmittelbar auf den Ausstoß klimaschädlicher CO2-Emissionen aus. Sie sind es aber auch, die mit ihrer Arbeit Städte und Gemeinden resilienter gestalten können. Gerade deshalb ist nachhaltiges Planen und Bauen das alles überstrahlende Thema in der Profession. Die Frage nach dem „Wie“ ist dabei die, die alle umtreibt. Carsten Venus von Architekten Venus aus Hamburg und Martin Schmitt von Martin Schmitt Architektur in Berlin diskutieren darüber, welche Herausforderungen, Hemmnisse und Chancen nachhaltiges Planen und Bauen mit sich bringt, wie sie in ihren Büros den Grundstein dafür legen und warum beiden ein „Schellnhuber-Moment“ half, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken. 

Hier geht’s zu den LEARNING 2023: https://www.competitionline.com/de/news/schwerpunkt/die-bauwende-gelingt-nur-als-teamleistung

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Initiative für mehr Wohnungen im Bestand

3. Dezember, 2023

Die Möglichmacher – Initiative zur Umwandlung von Büro zu Wohnen
Unser Ziel ist es, kurzfristig eine standardisierte und skalierbare Strategie zur Umnutzung leerstehender Gewerbeflächen zu entwickeln.
Wir sind ein Experten-Netzwerk von Planern, Projektentwicklern, Projektmanagern und Juristen zur Beratung und Umsetzung der Umwandlung von Büro zu Wohnen bzw. alternativen Nutzungskonzepten.

Unser Leitfaden zur Umwandlung von Büro zu Wohnen:

Wir glauben jedes „Redevelopment“ muss zugleich auch
–  einen Beitrag zur klimaresilienten und gemischten Stadt sein
–  eine energetische Sanierung beinhalten
–  eine wirtschaftlich positive Perspektive haben
–  neuen Wohnraum und/oder andere soziale Nutzungen in nachgefragter Lage ergeben
–  die Nutzungsmischung und die 15-Minuten-Stadt fördern
–  baukulturell bedeutende Bausubstanz erhalten und weiterentwickeln
–  die sozial gerechte und inklusive Stadt fördern
–  eine Nachverdichtung im Bestand vor der Neuversiegelung von Grünfläche anstreben

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Werkstattverfahren zur Entwicklung der Domachse

17. November, 2023

Zwischen Alster und Elbe werden die drei städtischen Abschnitte – historische Altstadt, Speicherstadt, HafenCity –in ihrer typologischen und strukturellen Identität gestärkt und durch das verbindende Thema einer „Kultur Meile“ verknüpft. Sie führt das Vorhandene zusammen und fügt einen neuen, starken Ankerpunkt hinzu: das KulturHaus Hamburg.
Der Domplatz wird durch den Neubau des Kulturhauses Hamburg erstmals räumlich gefasst und lässt die Schmiedestraße und den Domplatz in ihren historischen Qualitäten zur Geltung kommen. Der Kirchhof St. Petri, der Domplatz und der Fischmarkt bilden nun wieder ein räumliches Ensemble!
Die gesamte Domachse soll viel Platz für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen bieten, eine neue Brücke neben der Kornhausbrücke ist zum einen ein „Entlastungsbauwerk“ für die überstrapazierte, denkmalgeschützte historische Brücke. Zum anderen ist sie eine logische Fortsetzung der Veloroute, die aus der Kommunaltrasse kommt und über das Nadelöhr des Zollkanals geführt wird.

Gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten von Grieger Harzer Dvorak aus Berlin haben wir viele konkrete und umsetzbare Vorschläge erarbeitet – wir sind gespannt, was nun umgesetzt wird!

Mehr Informationen hier: Domachse Hamburg – Zwischen Alster und Elbe

Klimaresilientes Quartier Osnabrück News

Real Estate Summit – Strategien für eine nachhaltige Quartiersentwicklung

7. November, 2023

Sören Senkfeil spricht am 14. November auf dem Real Estate Summit der ISM in Hamburg über ESG-konforme Quartiersentwicklung. 
Wir müssen Quartiere ganzheitlich betrachten, um unsere Städte zukunftsfähig, nachhaltiger und sozialer zu gestalten. Freuen Sie sich auf spannende Vorträge auf dem Summit.

Real Estate Summit
ESG-Strategien für eine nachhaltige Quartiersentwicklung
International School of Management, Germany
14.11.2023
Audimax der ISM, Brooktorkai 22, 20457 Hamburg

Programm und Anmeldung: https://ism.de/hochschule/presse/pressemeldungen/strategien-fuer-eine-nachhaltige-quartiersentwicklung

Zukunftsforum "Bauen für heute und morgen" News

Zukunftsforum „Bauen für heute und morgen“

3. November, 2023

Wohnen statt Büro – Transformation unserer Städte

Im Rahmen des Zukunftsforums „Bauen für heute und morgen“ sprach Carsten Venus über die „Transformation unserer Städte – Wohnen statt Büro“. Sein Vortrag konzentrierte sich auf die Umwandlung von Nichtwohngebäuden in Wohnraum in Großstädten. Um mehr Wohnraum aus alten Bürogebäuden zu gewinnen, sei ein anderes „Mindset“ der Beteiligten notwendig, damit Hürden überwunden werden können – von der politischen Ebene bis hin zur Stadtplanung. Die Umnutzung leer stehender Gewerbeimmobilien ist ein wichtiger Baustein, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Das Zukunftsforum Fellbach bot weitere spannende Vorträge und Diskussionen mit Experten wie Hans Joachim Schellnhuber und Prof. Dr. Werner Sobek.

Vortrag Transformation
Vortrag Die Grünen
© Lena Lux
Umwandlung News

Bundesweit fehlt bezahlbarer Wohnraum. Der Ruf nach einer Umwandlung leer stehender Büroetagen wird lauter – auch in der Hansestadt.

16. Oktober, 2023

Artikel aus dem Hamburger Abendblatt
Von Hanna-Lotte Mikuteit

Hamburg. In Hamburg fehlen Tausende Wohnungen. Und es sieht nicht so aus, dass sich das ändert.
Familien, Studierende, Migranten finden immer seltener eine bezahlbare Bleibe, vor allem Mietwohnungen sind mehr als knapp. Ein Ende der Spirale ist angesichts der steigenden Kosten und Zinsen beim Eigenheimbau nicht absehbar. Die Zahl der Baugenehmigungen hat sich in diesem Jahr fast halbiert. Bis einschließlich September ist in der Hansestadt der Bau von 3700 Wohnungen genehmigt worden, während es im Vorjahreszeitraum 7300 waren. Ziel des Senats ist es eigentlich, dass jedes Jahr Baugenehmigungen für mindestens 10.000 Wohnungen erteilt werden.
Parallel gibt es mehr Gewerbeimmobilien, die leer stehen. Weil seit der Corona-Pandemie viele Menschen im Homeoffice arbeiten und weniger Büroflächen gebraucht werden, weil Geschäfte schließen und sich keine neuen Mieter finden. Nach Berechnungen des Maklers Grossmann & Berger hat sich der Leerstand gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp zehn Prozent auf rund 600.000 Quadratmeter in Hamburg erhöht. Tendenz steigend. Experten erwarten, dass die Leerstandsquote in den nächsten zwölf Monaten die Marke von fünf Prozent überschreiten wird. Die Neuvermietungen von Büroflächen sind schon eingebrochen: um 39 Prozent in den ersten drei Quartalen 2023, wie aus aktuellen Berechnungen des Immobiliendienstleisters CBRE hervorgeht.

Da ist es eine naheliegende Idee, aus leeren und nicht mehr benötigten Gewerbeflächen, Wohnungen zu machen. Die Bundesregierung hat diese Idee sogar in ihr 14-Punkte-Programm aufgenommen, mit der in den nächsten Jahren die Schaffung von neuen Wohnungen angekurbelt werden soll. Das Ziel: bundesweit 400.000 neue Wohnungen im Jahr. Unter anderem will Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) ein neues Förderprogramm der staatlichen KfW-Bank mit 480 Millionen Euro auflegen, um den Umbau von Büros in Wohnungen zu unterstützen. Bis zu 235.000 neue Wohneinheiten könnten so geschaffen werden, heißt es aus Berlin unter Berufung auf Schätzungen aus dem Bundesinstitut für Bau, Stadtentwicklung und Raumordnung.
Das klingt gut, aber in der Realität gibt es zahlreiche Hürden vom Bau- und Planungsrecht bis zu Eigentümerstrukturen und Renditeerwartungen. Bei Abendblatt-Recherchen kam heraus: In Hamburg gibt es bislang kaum Beispiele für größere Umwandlungsprojekte. „Wir wundern uns, dass nichts passiert. Das Potenzial ist erkannt, beschrieben, und die Erfordernisse sind benannt“, sagt Carsten Venus, Inhaber von Architekten Venus. Der 56-Jährige ist ein Vorreiter der Umnutzungsidee in der Hansestadt, hat sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt und treibt das Thema im Vorstand der Hamburger Architektenkammer voran.
Wie eine Umnutzung laufen kann, hatte der Architekt, damals mit dem Büro blauraum Architekten, beim Handelshof (Lange Reihe) gezeigt. In dem denkmalgeschützten Backsteinkomplex, der nach den Plänen des Chile-Haus-Architekten Fritz Höger entstanden war, wurden bis 2010 die zum Hinterhof gelegenen Büros in 27 Wohnungen umgebaut. Redevelopment heißt das in der Fachsprache. Schon 2005 hatte Venus mit einem Team ein früheres UFA-Bürogebäude aus den 1970er-Jahren in der Bogenallee in Harvestehude umgewandelt. Auf vier Geschossen waren 15 Eigentumswohnungen entstanden.

Trotz der positiven Beispiele herrscht mehr oder weniger Stillstand beim Thema Umnutzung. Zwar waren bei der aufwendigen Sanierung der Stadthöfe in der Hamburger Innenstadt auch Wohnungen entstanden, aber das ist wie ein weiteres Vorhaben in der Bergedorfer Straße die Ausnahme. Ein Grund, so Architekt Venus, der auch im Vorstand der Hamburger Architektenkammer ist: „Durch die niedrigen Zinsen in den vergangenen Jahren war das Geld billig, deshalb wurde neu statt umgebaut.“ Dazu kommt: Eigentümer von Gewerbeimmobilien haben komplett andere Kalkulationen als die von Wohnobjekten. „Oftmals ist auch ein längerer Leerstand attraktiver als eine Umwandlung in Wohnraum“, sagt er. „Der Leidensdruck muss schon groß sein.“

Genaue Zahlen für Hamburg? Fehlanzeige! „Eine allgemeine Statistik über Umnutzungen von Gewerbeimmobilien zu Wohnungen wurde bislang zwar nicht geführt“, heißt es auf Abendblatt-Anfrage aus der Behörde von Stadtentwicklungssenatorin Karin Pein (SPD). Redevelopment-Projekte laufen in der Hansestadt eher unter dem Radar. „Die Bezirksämter sowie die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen loten im Austausch mit den Eigentümerinnen und Eigentümern alle Wege aus, um Umnutzungen zu Wohnraum zu ermöglichen“, so ein Behördensprecher. Dazu gehöre auch, dass die Hamburgische Investitions- und Förderbank im Rahmen der Hamburger Wohnraumförderung gezielt die Umwandlung von gewerblich genutzten Flächen zu Wohnraum mit anschließenden Mietpreis- und Belegungsbindungen fördere. Eine Prämie, die es vor einigen Jahren gab, wurde allerdings gestrichen.
Dass das Thema jetzt in den Fokus rückt, hat mit der wirtschaftlichen Lage im Land zu tun, aber auch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Arbeitsleben. Auch in Hamburg haben zahlreiche Firmen schon angefangen, Büroflächen zu reduzieren, oder wollen es in Zukunft tun. Die Immobilienspezialisten von Jones Lang LaSalle (JLL) haben in einer aktuellen Studie aus dem Juli das Potenzial für den Umbau in Wohnungen in sieben deutschen Metropolen untersucht. Insgesamt könnten 20.000 zusätzliche Wohneinheiten entstehen, so die Experten. Für Hamburg ergibt sich aus den Berechnungen eine Zahl von 2900 neuen Wohnungen durch Umwandlung. Immerhin.

Allerdings, stellt auch JLL-Studienleiter Helge Scheunemann fest: Bislang spielten Umnutzungen von Büros in Wohnungen in den untersuchten Großstädten kaum eine Rolle. Einzige Ausnahme sei die Bankenmetropole Frankfurt, wo sich die sogenannten Flächenkonversionen in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt hätten. Auch wenn es zahlreiche Aspekte, wie technische Kriterien, Lage und Anbindung sowie Kosten, zu beachten gebe, sieht Scheunemann einige Vorteile: Im Schnitt sind nach den Berechnungen von JLL die Kosten für einen Umbau um die Hälfte günstiger als für einen Neubau. Dazu kommt, dass Umbauen klimafreundlicher ist als Neubauen. Aber nicht jede Bürofläche ist für eine Wohnung geeignet. Die Stadtentwicklungsbehörde verweist deshalb auch auf Projekte, bei denen auf den Grundstücken ehemaliger Bürogebäude Wohnungen entstehen oder beim Neubau auch ein Wohnanteil als separates Gebäude auf dem Gelände errichtet wird. Prominente Beispiele sind das Deutschlandhaus am Gänsemarkt, das Johann-Kontor, der ehemalige Allianz-Komplex zwischen dem Großen Burstah und der Nikolai-Kirche sowie das Projekt Ipanema in der City Nord und das ehemalige Euler-Hermes-Gelände in Bahrenfeld.

Doch es gibt Stimmen in der Hamburger Politik, denen das nicht reicht. „Wir haben in Hamburg viele unattraktive Bürogebäude“, sagt die Bauexpertin der oppositionellen CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft, Anke Frieling. Als ein Beispiel für einen Umbau nennt sie ein Bürogebäude in Bahrenfeld, das inzwischen eine Flüchtlingsunterkunft ist. „Das zeigt, dass Umwidmungen möglich sind, vor allem wenn der Druck größer wird. Und der Druck ist ja groß genug.“ Um klare Signale zu setzen, müsse die Stadt sich jetzt Gebäude strategisch anschauen und Musterbeispiele entwickeln. „Dazu gehört dann auch, dass B-Plan Änderungen und Umbaugenehmigungen zügiger erteilt werden.“

Architekt Carsten Venus sagt: „Wir merken, dass auf politischer Seite das Thema Wohnen und der Wille zu Veränderungen Fahrt aufnimmt, aber dass die Umsetzung in der Verwaltung stockt.“ Er setzt darauf, dass es in der nächsten Zeit neue Öffnungsklauseln geben wird, die Umbauten leichter machen. Dabei ist klar, dass diese Projekte nur ein Mosaikstein bei der Bekämpfung der Wohnungsknappheit sein können. „Im Schnitt sind von 100 Wohnungen, die erstellt werden, drei aus einem Umwandlungsprojekt“, sagt Venus.

Im Moment erarbeitet das Büro Architekten Venus in einem Netzwerk mit einer internationalen Beratungsagentur und einem Spezialisten für New Work an einer Strategie, um zu zeigen, dass die Transformation Wohnen statt Büro nachvollziehbar und wirtschaftlich ist. In seinen Büros in Hamburg und Osnabrück verzeichnet er aktuell steigende Anfragen von Immobilienbesitzern. „Wir untersuchen derzeit einige Objekte auf ihr Potenzial. Aber keines davon ist in Hamburg.“